Von Amsterdam bis Detroit zeigen Angriffe auf Synagogen, wie Israels Kriege und Rhetorik auf die Gemeinden der Diaspora übergreifen
Amira Hass, Haaretz, 17.3.2026
Übersetzt von Tlaxcala
Israel ist für Juden gefährlich, gerade weil es sich über Generationen hinweg als Vertreter des jüdischen Volkes präsentiert. Wenn es gemeinsam mit den Vereinigten Staaten den Iran bombardiert und den Libanon zerschmettert und dabei Hunderttausende Menschen zur Flucht aus ihren Häusern zwingt, tut Israel dies im Namen des jüdischen Volkes, nicht nur im Namen seiner jüdischen Bürger.
Während es einen Vernichtungs- und Rachekrieg – derzeit in einer Phase geringer Intensität – gegen die palästinensische Bevölkerung fortsetzt, die auf 48 Prozent des Gazastreifens beschränkt ist, und die Palästinenser als Glied einer historischen Kette von Erzfeinden darstellt, agiert es als Botschafter für Juden überall.
Wenn Israel seinen Siedlern und den „Mista’arvim“ (verdeckten Einheiten, deren Mitglieder sich als Palästinenser tarnen) freie Hand lässt, Palästinenser zu töten, dann tut es dies mit Blick auf Juden in der Diaspora, die sich dort niederlassen oder zumindest ihr Vermögen in sein Territorium investieren werden. Wenn Israel die Vertreibung der Palästinenser aus weiten Teilen des Westjordanlands in lang geplante Enklaven beschleunigt, tut es dies mit dem Gedanken an Millionen von Juden, die möglicherweise noch gezwungen sein werden, dorthin zu fliehen und einzuwandern, wenn der Antisemitismus zunimmt – be’ezrat Haschem( so Gott will)l.
Vom 3. bis zum 14. März wurden mindestens sieben Gewalttaten gegen Synagogen und eine ultraorthodoxe jüdische Schule in Kanada, Europa und den Vereinigten Staaten gemeldet; diese führten zu keinen Todesopfern. Die Wahl religiöser Einrichtungen als Ziele für Sprengstoffanschläge, selbst mit selbstgebauten Vorrichtungen, riecht nach Antisemitismus. Diese Einrichtungen werden mit einer bestimmten Gruppe identifiziert und dienen daher als klare und bequeme Ziele für Gewalttaten. Hätte es Opfer gegeben, wären diese höchstwahrscheinlich Juden gewesen, die eindeutig nichts mit den eigentlichen Beweggründen für die Attentate zu tun hatten.
Ein Angriff auf eine Synagoge, selbst wenn er zunächst symbolisch gemeint sein sollte, signalisiert den Wunsch, Angst zu schüren und Juden anderswo zu schaden. Ein Angriff auf eine Synagoge in der Diaspora ist insbesondere das Spiegelbild von Israels Anspruch, alle Juden zu vertreten, und ist daher äußerst töricht. Er könnte Menschen dazu ermutigen, in das Land zwischen dem Meer und dem Fluss auszuwandern – das Gegenteil dessen, was den palästinensischen Interessen dient.
Doch die gemeldeten Angriffe sind auch Ausdruck eines Verlangens nach Rache. Für eine ausgelöschte Familie, für ein verschwundenes Wohnviertel, für Kinder, die zitternd aus den Trümmern gezogen wurden. Wer könnte das Verlangen nach Rache besser verstehen als Israel und seine jüdischen Bürger? Seit dem 7. Oktober 2023 ist sadistische Rache das Leitmotiv für allzu viele Gefängniswärter, Soldaten, Siedler, Informanten, die Facebook-Beiträge durchkämmen, und Polizeibeamte.
Unsere Politiker und Diplomaten werden sagen, dass dies überhaupt nicht dasselbe sei. Und sie hätten Recht. Denn die israelische Rache dient einem uralten geopolitischen Zweck, nämlich das Land von all seinen Arabern zu säubern. Rache gegen uns ist Rache um der Rache willen, ohne strategische Planung oder Logik.
Zwischen Freitag und Samstag, dem 13. und 14. März, wurde ein Sprengkörper in der Nähe einer Außenmauer einer jüdischen Schule in Amsterdam gezündet; das Foto zeigt Rußspuren an einem Rohr und einigen Ziegelsteinen. Etwa 24 Stunden zuvor, am 12. März, wurde ein ähnlicher Sprengkörper in der Nähe einer Synagoge in Rotterdam gezündet, wobei die Eingangstür beschädigt wurde. Ein weiterer Sprengsatz wurde am 9. März im Morgengrauen vor der Tür einer Synagoge in Lüttich, Belgien, gezündet; deren Fenster und die eines nahegelegenen Gebäudes wurden zertrümmert. Zuvor, am 6. März, wurden Schüsse auf eine Synagoge in North York, Kanada, abgefeuert. In den Fenstern wurden Patronenhülsen und Einschusslöcher gefunden.
Und am vergangenen Donnerstag, dem 12. März, rammte ein bewaffneter Mann mit seinem Fahrzeug Temple Israel, eine große Reformsynagoge in einem Vorort von Detroit. Polizeibeamte erschossen den Fahrer, bei dem es sich um einen libanesischen Mann [Ayman Mohammed Ghazali] handelte, dessen Familie bei israelischen Bombenangriffen [auf Machghara im Bekaa-Tal] ums Leben gekommen war. In allen Fällen reagierte die Polizei schnell. In einigen Fällen bekannte sich eine schiitische Organisation zu den Anschlägen.
Auf der Plattform X schrieb Außenminister Gideon Sa’ar: „In Rotterdam wurde gestern eine Synagoge angegriffen. Doch die Niederlande hielten es für wichtiger, sich in Südafrikas frei erfundenem Fall gegen den Staat Israel [vor dem IStGH] einzumischen. Beschämend!“ Auch seine Stellvertreterin Sharren Haskel wandte sich auf X an die Niederlande, wenn auch mit einem milderen Ton: „Die europäischen Staats- und Regierungschefs stehen vor einem historischen Entscheidungspunkt: zwischen radikalem Islamismus und den Werten der westlichen demokratischen Zivilisation […] Europas Staats- und Regierungschefs müssen entscheiden, auf welcher Seite sie in diesem Kapitel der Menschheitsgeschichte stehen. Ich werde mich niemals dafür entschuldigen, das jüdische Volk zu verteidigen – in Israel und in der gesamten Diaspora. Für mich ist das eine moralische Pflicht.“
Laut dem israelischen Präsidenten Jitzchak Herzog brachte er in einem Gespräch mit Vertretern der jüdischen Gemeinden in Amsterdam und Rotterdam Israels Solidarität mit den Juden in den Niederlanden zum Ausdruck.
Haben die drei jemals die israelische Polizei aufgefordert, gegen den „radikalen Judaismus“ vorzugehen, die täglich tatsächliche Pogrome im Westjordanland entfacht? Natürlich nicht. Sie und andere israelische Vertreter, die sich beeilen, Europäer zu tadeln und bei jedem Graffiti auf einem Friedhof auf „Antisemitismus“ zu schreien, brechen alle Rekorde an Heuchelei und Doppelmoral. Das Gleiche gilt für die allzu offiziellen jüdischen Führungspersonen in der Diaspora, die Israel weiterhin bedingungslos unterstützen und nicht einmal öffentlich die tödliche Gewalt der Siedler verurteilen, die im Namen ihres Gottes und ihrer Geschichte wütet.
Dies macht es leicht, jedem Juden in der Diaspora Mitschuld an und Unterstützung für jede Gräueltat zuzuschreiben, die von Israel und den Soldaten und Siedlern begangen wird, die es dafür rekrutiert.

