In Israels Armee ist Mord an einem Kind in Ordnung, eine Affäre aber ein Kündigungsgrund
Gideon Levy, Haaretz, 4. Juni 2026
Übersetzt von Tlaxcala
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Bis Mittwoch glaubten die israelischen Streitkräfte und der Staat Israel, dass Brigadegeneral Yisrael Shomer, der Chef der Operationsabteilung der Armee, ein Mann von absoluter Integrität sei. Er stieg bis zu seiner jetzigen Position auf, einer der wichtigsten in Kriegszeiten. Die Reichman-Universität verlieh ihm 2024 bei einer Zeremonie mit dem Titel „Israelischer Heroismus“ die Ehrendoktorwürde.
Am Mittwoch jedoch wurde bekannt, dass der Generalstabschef beschlossen hatte, ihn aus der Armee zu entlassen. Eine Erklärung des Armeesprechers besagte, dass „Shomers Rücktrittsgesuch angenommen wurde“ – ein Weg, um zu bewahren, was von seiner Ehre übrig ist.
Shomer steht im Verdacht des „Machtmissbrauchs“ und „moralischer Vergehen“. Mit anderen Worten: Er hatte eine sexuelle Beziehung mit einer Untergebenen. So viel zur absoluten Integrität Shomers.
Es gibt nur wenige Momente im Leben, in denen man sich am Sturz eines anderen erfreuen kann, und dies ist einer davon. Am Mittwoch wurde verspätete Gerechtigkeit geübt. In einer wirklich moralischen Armee wäre Shomer schon vor zehn Jahre und elf Monaten entlassen worden.
Freitag, der 3. Juli 2015: Qalandiyah-Kontrollpunkt außerhalb von Ramallah. Shomer, Kommandeur der Binyamin-Brigade im Westjordanland, steckte mit seinem Fahrer im Stau, als ein Teenager aus einem Flüchtlingslager an sein Auto herantrat und die Scheibe aus nächster Nähe mit einem großen Stein einschlug. Shomer wurde wütend. Er und sein Fahrer stiegen aus dem Auto und verfolgten den flüchtenden Jungen. Shomer schoss aus einer Entfernung von 6-7 Metern dreimal auf den Rücken des Teenagers und tötete ihn.
Es war, nach jedem Maßstab, eine Hinrichtung. Der Junge stellte keine unmittelbare Gefahr dar. Zeugen sagten, dass Shomer, bevor er ging, die Leiche des Jungen mit dem Fuß umdrehte, wie man es beim Kadaver eines Tieres tun würde, um sicherzugehen, dass er wirklich tot war. Ihm kam es nie in den Sinn, medizinische Hilfe zu rufen. Später hörte man ihn mit seiner Schießkunst prahlen.
Ein Jahr später stellte der leitende Militärstaatsanwalt die Ermittlungen mit der Begründung ein, die Tötung sei ein „operativer Unfall“ gewesen. Das Oberste Gericht, das Kriegsverbrechen freie Hand lässt, wies im September 2020 eine Berufung der Familie des Jungen gegen die Entscheidung des Staatsanwalts zurück. Yair Lapid eilte natürlich herbei, um den feigen Offizier zu verteidigen, der einen fliehenden Jungen getötet hatte. Der damalige Generalstabschef Gadi Eisenkot, der Letzte der Gerechten, verzögerte Shomers weiteren Aufstieg. Seine Nachfolger brachten Shomer wieder auf den Beförderungsweg.
Shomer wusste nicht, wen er getötet hatte, oder zeigte kein Interesse daran, es herauszufinden. Mohammad Kasba war zum Zeitpunkt seines Todes 17 Jahre alt. Er war der Sohn von Fatma und Sami Kasba, ihr dritter Sohn, der von der Armee getötet wurde. Die anderen beiden, Yasir (10) und Samer (15), wurden im Winter 2002 im Abstand von 40 Tagen durch Kopfschüsse getötet.
Als ich ihr bescheidenes Haus im Lager Qalandiyah zum ersten Mal besuchte, traf ich ihren kleinen Bruder Mohammad, der damals vier Jahre alt war. Damals konnte niemand ahnen, dass Mohammad dazu bestimmt war, dreizehn Jahre nach seinen beiden Brüdern getötet zu werden, diesmal durch einen Brigadekommandeur.
Shomers Erfolg, jeder Bestrafung zu entgehen, kündigte den Verfall der Armeestandards an. Indem die Armee beschloss, ihn nicht vor Gericht zu stellen, und ihn anschließend in Spitzenpositionen beförderte, sagte sie ihren Soldaten im Grunde: Tötet nach Belieben – die Todesstrafe für steinwerfende Kinder ist legitim, sogar wünschenswert. Der Völkermord im Gazastreifen, die „Messias“-Aufnäher auf Armeeuniformen und der Zusammenbruch moralischer Grenzen wurden alle am Qalandiyah-Kontrollpunkt geboren.
Shomer, Mitglied des Kibbuz Kfar Aza, der am 7. Oktober in Laufshorts und mit einem Messer ausrückte, um die Terroristen zu bekämpfen, die seine Gemeinschaft überfallen hatten, wurde damals zu Recht für seine Tat gelobt. Aber am Mittwoch kam endlich die Gerechtigkeit, insbesondere im Gedenken an Mohammad Kasba. Sie zeigt erneut die verdrehten Werte der moralischsten Armee des Universums auf.
Ungerechtfertigte Hinrichtung eines Jungen? Beförderung. Verbotene Affäre? Entlassung.
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